Hinweis zur Bildergalerie: Durch Anklicken eines kleinen Bildes öffnet sich dies in einer größeren Version. Durch das Anklicken der größeren Version öffnet sich ein weiteres Fenster. Sie können dann im neu geöffneten Fenster über die Pfeiltasten in der Bildergalerie navigieren und diese dann mit ESC schließen.
Straße:
Am Dom & Unser Lieben Frauen Kirchhof & Schoppensteel & Domshof
Listentext:
Domshof, Neptunbrunnen, 1992, von Waldemar Otto (2025)
Kurzbeschreibung:
Die Entstehung des Neptunbrunnens auf dem Bremer Domshof ist das Resultat einer durch den Weser-Kurier initiierten Umfrage, die den Wunsch der BremerInnen nach einer Brunnenanlage im Innenstadtbereich offenbarte. Der SPD-Abgeordnete Karl-Heinz Schreiber gründete daraufhin die Spendenaktion "Ein Brunnen für Bremen", an der sich zahlreiche BürgerInnen, Geschäftsleute und Institutionen beteiligten. Der ursprüngliche Gedanke, den verlorenen historistischen Wilhadi-Brunnen zu rekonstruieren, wich einer offenen künstlerischen Ausschreibung. Der darin enthaltene Themenvorschlag - See und Meer - sollte symbolisch auf Bremens maritime Identität verweisen. Im beschränkten Wettbewerb reichten die Künstler Waldemar Otto (1929-2020) und Horst Gläsker Entwürfe ein; eine Bürgerabstimmung im Mai 1990 entschied schließlich zugunsten Ottos. Der ab 1973 an der Bremer Hochschule für Gestaltung lehrende Bildhauer Otto war Mitbegründer der "Bremer Bildhauerschule" und Vertreter der gegenständlich-figürlichen Moderne. Sein eingereichter Entwurf eines Neptunbrunnens greift mythologische Themen in zeitgenössischer Formensprache auf. Die Einweihung erfolgte am 20. März 1992, begleitet von teils scharfer Kritik, die vor allem die abstrakte Reduktion der Figuren als unpassend für den Domshof empfand.°
Die aus grünem Andeer-Gneis errichtete Brunnenanlage mit ovalem Grundriss (ca. 13 × 9,6 m) ist dreistufig gegliedert. Das Wasserbecken bildet die unterste Zone, darüber liegt eine ovale Platte, aus der zahlreiche kleine Fontänen sprudeln. Die Brunnenfiguren sind nach handgeformten Wachsplattenmodellen als Bronzehohlkörper ausgeführt. Auf dem zentralen Sockel erhebt sich Neptun als abstrahierter Torso mit erhobenem Dreizack. Seine offene Rückseite lässt die Strukturen der Wachsplatte und des Gerüsts sichtbar. Neptun wird von zwei ebenfalls hohlen Pferdeköpfen begleitet, aus deren Nüstern Wasser austritt. Im rückwärtigen Bereich findet sich der sich verwandelnde Meeresgott Proteus; in der mittleren Zone tummeln sich Triton, zwei Meeresnymphen und eine Robbe, am Rand des Beckens sitzt der greise Nereus. Das Wasser, das über die ovale Platte läuft und sie als "Meeresoberfläche" erscheinen lässt, ist konzeptionell integraler Bestandteil der Illusionsbildung: Die Bronze-Figuren scheinen aus den Wellen aufzutauchen, während die Geräusche und Bewegungen des Wassers das mythische Szenario akustisch und visuell verstärken.°
Der Neptunbrunnen besitzt sowohl künstlerische als auch städtebauliche Bedeutung. In der Tradition mythologischer Brunnenbilder stehend, transformiert Otto das klassische Motiv des Meeresgottes in eine moderne, abstrahierte Formensprache. Die bewusste Offenlegung der Formprozesse - sichtbar in den ungeschlossenen Figuren - reflektiert das postmoderne Prinzip der Illusionskritik: Das Werk zeigt nicht nur ein mythologisches Bild, sondern zugleich seine eigene Konstruiertheit. Durch seine moderne Formensprache ist der Brunnen eindeutig als jüngere Zutat auf dem Domshof zu erkennen. Er übernimmt eine wichtige Funktion auf dem Platz, indem er als Blickfang dient, aber auch Möglichkeiten für Kühlung, Spiel und Rast bietet. Der Bremer Neptunbrunnen zählt heute zu Ottos prominentesten und wichtigsten Beiträgen zur Kunst im öffentlichen Raum.
Stil:
Moderne 90er & Postmoderne
Objekt @ Künstler:
Entwurf
Architekt/Künstler:
Otto, Waldemar
Funktion:
Künstler & Bildhauer
Sozietät Name:
Stadt Bremen
Quelle:
Online Sammlung des Focke-Museums (Foto des Modells und Interview-Video, Stand 17.10.2025)
Quelle:
taz vom 11.03.1992 (Interview mit Otto)
Quelle:
Weser-Kurier vom 08.02.1992
Quelle:
Weser-Kurier vom 17.05.1990
Lit.-Kurztitel:
Gerhard-Marcks-Haus (Hrsg.), Waldemar Otto. Keine Retrospektive!, Ausst.-Kat., Bremen 2009