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Domshof-Forum & Domshof-Café & Stadtdach

OBJ-Dok-nr.: 00005696




Stadt:
Bremen
Bezirk:
Mitte
Stadtteil:
Mitte
Ortsteil:
Altstadt
Straße:
Domshof 16
Denkmaltyp:
Gaststätte & Überdachung
Eintragung:
2025
Listentext:
Domshof 16, Domshof-Forum, 1999, von Joachim Schürmann sowie Peter und Jutta Schürmann (2025)
Kurzbeschreibung:
Die Entstehung des Domshof-Forums in Bremen ist das Ergebnis eines jahrzehntelangen städtebaulichen Entwicklungsprozesses, der auf die funktionale und ästhetische Aufwertung des Domshofs zielte. Nachdem erste Überlegungen in den 1970er-Jahren u. a. aufgrund technischer Gegebenheiten - insbesondere der unterirdischen Bunkeranlage - nicht realisiert werden konnten, wurde 1989 ein neues Gutachterverfahren initiiert. Der Kölner Architekt Joachim Schürmann und sein Team erhielten den Auftrag zur Entwurfsplanung. Ihr Konzept sah einen transparenten nördlichen Platzabschluss durch einen Glasbau vor, der den offenen Raum gliedern und gleichzeitig Durchlässigkeit gewährleisten sollte.°
Parallel entwickelte die Stadt Bremen in den 1980er- und 1990er-Jahren ein Passagensystem, das die Einkaufszonen Sögestraße und Obernstraße mit weniger stark frequentierten Bereichen der Innenstadt verbinden sollte. Das Domshof-Forum wurde dabei als zentraler Knotenpunkt des Passagensystems konzipiert und 1999 nach Schürmanns Plänen fertiggestellt.° Das Domshof-Forum besteht aus zwei Komponenten: einem zweigeschossigen, unterkellerten Stahl-Glas-Pavillon und einer großflächigen Glasüberdachung aus acht quadratischen Schirmen. Der Pavillon mit begehbarer Dachterrasse ist in einem regelmäßigen Raster aus Stahlstützen errichtet und durch transparente Fassaden geprägt, die eine visuelle Offenheit zum Platz herstellen. Die Konstruktion nutzt eine filigrane Stahlstruktur, deren technische Ästhetik sichtbar bleibt und die räumliche Gliederung bestimmt. Die Überdachung, das sogenannte "Stadtdach", besteht aus acht aneinandergefügten, 12 Meter hohen Glasschirmen, deren leichte Innenneigung der Wasserableitung dient. Getragen von runden Stahlstützen, an denen filigran wirkende Stahldrähte die Glasflächen halten, erinnert die Struktur an Schiffsmasten und Takelage - eine bewusste Referenz an die maritime Tradition der Hansestadt.°
Das Domshof-Forum ist ein bemerkenswertes Beispiel der Architektur der 1990er-Jahre, das Transparenz, Leichtigkeit und urbane Funktionalität verbindet. Es steht exemplarisch für den Wiederaufgriff der Stahl-Glas-Architektur des 19. Jahrhunderts, die zum Ende des 20. Jahrhunderts durch Bauten wie das Bonner Plenargebäude (Behnisch & Partner, 1992) oder die Reichstagskuppel von Norman Forster (1999) eine Renaissance erlebte. Im Gegensatz zu diesen Großprojekten verfolgt das Domshof-Forum jedoch ein ortsbezogenes Konzept, das Transparenz nicht symbolisch, sondern räumlich-ästhetisch einsetzt: als Mittel zur Integration von Bau und Stadtraum. Die Glasfassaden stehen darüber hinaus in einem bewusst gesetzten Kontrast zu den massiven historischen Bauwerken Dom und Rathaus. Städtebaulich ist das Forum von besonderer Bedeutung, da es als Gelenk zwischen den Passagen und dem Platz fungiert und den Domshof zu einem wetterunabhängigen Kommunikationsraum transformiert. Es dokumentiert zugleich die Bemühungen um eine moderne Innenstadtgestaltung und ist somit ein authentisches Zeugnis der Bremer Stadtentwicklung des späten 20. Jahrhunderts.
Epoche:
Jahrtausendwende
Stil:
Moderne 90er
Art Dat.:
1999
Objekt @ Künstler:
Entwurf
  Architekt/Künstler:
Schürmann, Joachim & Schürmann, Margot & Schürmann, Peter & Schürmann, Jutta
  Funktion:
Architekt
Sozietät:
Bauherr
  Sozietät Name:
Stadt Bremen
Quelle:
Sprechzettel Brepark (23.09.1999, aus Bauakte)
Quelle:
Stellungnahme LfD gegen Domshof-Forum (05.02.1998, aus Bauakte)
Quelle:
taz vom 24.07.1999
Quelle:
Weser-Kurier vom 15.09.15
Lit.-Kurztitel:
Der Aufbau, 48. Jhg., Heft 2, Bremen 1994
  Stelle:
10-13
Lit.-Kurztitel:
Der Baumeister 88/1, 1991 (Bericht über Architekturwettbewerb)
  Stelle:
23-25

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