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Ortsteil:
Hemelingen
Sebaldsbrück
Straße:
Sebaldsbrücker Heerstraße 35 & 37 & 39
Listentext:
Sebaldsbrücker Heerstraße 35/39, Bahnhof Sebaldsbrück, 1846-1847 (2026)°
Zum Sebaldsbrücker Bahnhof°
Bestandteile der Denkmalgruppe:°
- Empfangsgebäude und Güterschuppen, ab 1846; Erweiterung 1912-1914 von Will-helm Meilicke°
- Personen- und Karrwegtunnel, 1912-1914 von Willhelm Meilicke°
- Mittelbahnsteig, 1912-1914
Baugeschichte:
- 1889: Neubau des ersten Abortgebäudes; im Zuge dessen wurden beim zeitgleichen Umbau des Innenraumes des Empfangsgebäudes die Fenster und der Eingang an der Westfassade verschlossen°
- 1897: Neubau Stellwerk, welches 1920 und 1923 erweitert wurde°
- 1914-1915: Neubau eines weiteren Stellwerkes°
- 1914: Neubau Abortgebäude an Stelle des Vorgängers von 1889°
- 1915: Neubau Magazingebäude
Kurzbeschreibung:
Der Bahnhof Sebaldsbrück entstand 1846-1847 im Zuge des Baus der Bahnlinie Bremen-Hannover, einem der bedeutendsten Infrastrukturprojekte Norddeutschlands. Diese Verbindung war Ausdruck ökonomischer Weitsicht: Sie verknüpfte die Seehandelsstadt Bremen mit dem hannoverschen Binnenland und eröffnete neue Wege des Gütertransports jenseits der zunehmend unzuverlässigen Weser. Der Bau beruhte auf einem Staatsvertrag zwischen Bremen und dem Königreich Hannover (1845) und markierte einen Meilenstein in der politischen und wirtschaftlichen Integration der Region.°
Sebaldsbrück nahm dabei eine Sonderstellung ein. Da die Zollgrenze zwischen Bremen (Zollausland) und Hemelingen (hannoversches Gebiet) unmittelbar am Bahnhof verlief, diente er zugleich als Zollstation. Diese Doppelfunktion als Verkehrs- und Kontrollpunkt prägte seine Architektur und Organisation. Mit dem Ausbau der Strecke auf Doppelgleis (1857) und der Erweiterung der Güterschuppen (ab 1860) entwickelte sich Sebaldsbrück zu einem Knoten für den wachsenden Güterumschlag der industriellen Betriebe Hemelingens. Die baulichen Umgestaltungen von 1912-1914 - insbesondere der Tunnelbau und die Errichtung eines neuen Mittelbahnsteigs - dokumentieren den Übergang zur technisch rationalisierten Eisenbahnarchitektur des 20. Jahrhunderts.°
Das Ensemble Sebaldsbrücker Bahnhof ist ein herausragendes Beispiel früher norddeutscher Bahnhofsarchitektur. Das in Sichtziegel errichtete Empfangsgebäude folgt dem Formkanon der Hannoverschen Schule mit Anlehnung an den Rundbogenstil. Seine symmetrische Gliederung, der Sandsteinsockel, die gekuppelten Rundbogenfenster und das umlaufende Gurtgesims mit Rautenfries zeigen die Verbindung von Zweckmäßigkeit und ornamentaler Ordnung. Im Inneren spiegeln die getrennten Wartesäle der verschiedenen Klassen die sozialen Hierarchien der Zeit wider, während die Wohnung des Stationsvorstehers im Obergeschoss die administrative Struktur der Eisenbahn dokumentiert.°
Der östlich anschließende Güterschuppen mit seinen Erweiterungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdeutlicht die zunehmende Industrialisierung. Seine gestufte Baufolge - vom hohen Hauptbau bis zu niedrigeren Anbauten - zeigt die funktionale Hierarchie der Bahnarchitektur. Der 1913 errichtete Personen- und Karrwegtunnel in Walzträger-in-Beton-Bauweise gilt als frühes Beispiel standardisierter Ingenieurtechnik. Auch der überdachte Mittelbahnsteig mit genieteten Stahlstützen und Schmetterlingsdach steht für den Übergang von handwerklich geprägten zu industriell gefertigten Bauteilen. Insgesamt bewahrt der Bahnhof einen hohen Grad an Authentizität: Fassaden, Fensterachsen und Dachformen sind weitgehend im Originalzustand erhalten.°
Der Bahnhof Sebaldsbrück ist nicht nur ein technisches Denkmal, sondern ein kulturelles Zeugnis der Frühindustrialisierung Bremens. Er veranschaulicht, wie die Eisenbahn zum Motor wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Transformation wurde und regionale Grenzen überwand. Seine Architektur vereint funktionale Rationalität mit staatlicher Repräsentation und dokumentiert den Anspruch der Eisenbahn als Symbol moderner Ordnung. Als ältestes erhaltenes Bahnhofsgebäude Bremens besitzt Sebaldsbrück hohen denkmalpflegerischen Wert. Seine Bewahrung sichert die Erinnerung an die Epoche, in der Technik und Architektur gemeinsam die Grundlagen der modernen Stadt legten.
Objekt @ Künstler:
Entwurf
Architekt/Künstler:
Meilicke, Willhelm
Rank:
Regierungsbaumeister
Kommentar:
seit 1910 Regierungsbaumeister der Eisenbahndirektion Hannover in Bremen (lt. Zentralblatt der Bauverwaltung), wohnte in der Georgstraße 47
Sozietät Name:
Königliche Eisenbahndirektion Hannover
Sozietät Kommentar:
gegründet am 13.03.1843
Quelle:
Nacherfassung Ziemann
Lit.-Kurztitel:
1843-1983. 140 Jahre Eisenbahndirektion Hannover, 1983
Lit.-Kurztitel:
Bremen und die Bahn. Festschrift anläßlich des 150-jährigen Bestehens der Eisenbahnstrecke Bremen-Hannover Bremen, 1998
Lit.-Kurztitel:
Kuhne, Lothar: Eisenbahndirektion Hannover 1843-1993, Berlin 2021
Lit.-Kurztitel:
Rauer, Friedrich: Hemelingen. Notizen zur Vergangenheit, Bremen 1987