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Verleihung des Bremer Denkmalpflegepreises 2016

Der Bremer Denkmalpflegepreis 2016 – die Jury wählte aus 53 Bewerbungen fünf Preisträger und verlieh vier besondere Anerkennungen

Am 23. November 2016 wurde zum dritten Mal der Bremer Denkmalpflegepreis im Bremer Rathaus verliehen. In einer Feierstunde begrüßte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz in Vertretung des Schirmherrn, Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, rund 200 Gäste und ehrte die Preisträger mit Urkunden und Plaketten.

Die Jury verlieh fünf Preise und vier besondere Anerkennungen in vier Kategorien, wovon ein Sonderpreis der Medienpartner WESER-KURIER und NORDSEE-ZEITUNG überreicht wurde. Alle Preisträger und Anerkennungen sind in einer Sonderbeilage (pdf, 3.2 MB) der Medienpartner veröffentlicht.

Die Preisträger
Die Preisträger

Mit dem Bremer Denkmalpflegepreis, der alle drei Jahre vergeben wird, werden das weit überdurchschnittliche Engagement und besondere Leistungen zur Erhaltung und Pflege von Baudenkmälern in Bremen und Bremerhaven gewürdigt.

Vergeben wird der Preis vom Landesamt für Denkmalpflege und der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V. in Kooperation mit der Architektenkammer, der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven und der Handwerkskammer Bremen gemeinsam mit den Medienpartnern WESER-KURIER und NORDSEE-ZEITUNG.

Juryvorsitzende Dr. Andrea Pufke
Juryvorsitzende Dr. Andrea Pufke

Die Vorsitzende der achtköpfigen Jury, Frau Dr. Andrea Pufke, Landeskonservatorin des Rheinlandes, informierte das Publikum über die nicht leichte Aufgabe der Jury, aus 53 Bewerbungen die Besten zu ermitteln. Landeskonservator Professor Georg Skalecki stellte in seiner Laudatio die einzelnen Preisträger vor:

DIE PREISTRÄGER
DER SONDERPREIS
DIE ANERKENNUNGEN
DIE JURY
BILDERGALERIE

Die Preisträger

Kirche St. Jakobi
Kirche St. Jakobi

In der Kategorie I – Architekten und Ingenieurbüros – erhielt das Architekturbüro Angelis & Partner den Bremer Denkmalpflegepreis für die Instandsetzungsarbeiten am Kirchturm der Kirche St. Jakobi in der Bremer Neustadt.Der Kirchturm war durch Witterungseinflüsse stark geschädigt. Bei der Instandsetzung ging das Architekturbüro sehr behutsam mit der Bausubstanz des Turms der neogotischen Kirche von 1875 um. Vorbildlich bereitete das Architekturbüro Angelis & Partner, unter der Leitung von Artur Saathoff, die komplexe Sanierung vor: exakte Schadensaufnahme, Schadensanalyse, Feststellung der erforderlichen Maßnahmen und genaue Befundaufnahme zur Festlegung der erforderlichen Reparatursteine in Form und Konsistenz. Hervorzuheben ist die vorzügliche Koordination der umfangreichen Arbeiten mit allen Partnern und den verschiedenen Gewerken am Bau.

Kirche Unser Lieben Frauen
Suedturm der Kirche Unser Lieben Frauen

In der Kategorie II – Handwerksbetriebe – ging der Denkmalpflegepreis an die Claus Ellenberger Bau GmbH für die höchst schwierige Fassadensanierung am Südturm der Kirche Unser Lieben Frauen. Landeskonservator Skalecki führte dazu aus: "Der Südturm von Unser Lieben Frauen stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist der älteste Teil der Kirche. Der hier verbaute Porta-Sandstein zeigte sich bei der Schadensaufnahme in der Oberfläche sehr porös, absandend, so dass man mit den Fingern viele Millimeter bis zu drei Zentimeter Oberfläche abkratzen konnte, Oberfläche, die keinerlei Festigkeit mehr besaß. Es kam sogar die Sorge auf, dass die Standfestigkeit des ganzen Turms gefährdet sein könnte. Nur durch die extrem hohen handwerklichen Fähigkeiten und genaueste Materialkenntnisse der Steinmetze der Firma Ellenberger, unter der Leitung von Herrn Buchenau, konnte diese komplizierte Maßnahme so erfolgreich zum Abschluss gebracht werden."

Florale Deckenmalerei
Florale Deckenmalerei

In der Kategorie III – Bauherren – wurden Frau Monica und Herr Professor Dr. Dian Schefold mit dem Bremer Denkmalpflegepreis für die denkmalgerechte und vorbildliche Restaurierung der floralen Deckenmalerei im Deckenspiegel eines Zimmers im Erdgeschoss sowie für ihr Selbstverständnis, ihr Haus Mathildenstraße 93 zu pflegen und zu erhalten, geehrt. Dabei kommt ihr Bestreben, die Geschichte des Hauses zu bewahren und diese auch Interessierten zu vermitteln, zum Ausdruck. Für die Bauherren ist es eine Selbstverständlichkeit sowie Verpflichtung zugleich, für die Pflege des Hauses Sorge zu tragen. Ein beispielhaftes Engagement, das einen Preis verdient.

Auszeichnung mit Preisgeld

Knoops Park
Knoops Park

In der Kategorie IV – Vereine, ehrenamtlich Tätige – ging eine Auszeichnung mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro an den Förderverein Knoops Park e.V. Der Verein wurde unter anderem für eine ungewöhnliche Leistung, nämlich für einen Abriss, gewürdigt. Landeskonservator Skalecki erklärte: "Mitten in Knoops Park stand eine Bausünde der Nachkriegszeit, ein unsensibel in wichtige Blickachsen des Park gestelltes Schwesternwohnheim. Als dieses dann auch in einen unbenutzbaren Bauzustand geriet und zum Schandfleck wurde, arbeitete der Verein solange daran, bis die Eigentumsfragen geklärt und die Finanzierung des Abrisses sichergestellt war. Neben dieser eindrucksvollen Aktion betreibt der Förderverein Knoops Park unter seinem Vorsitzenden, Christof Steuer, viele andere engagierte Arbeiten zum Wohle dieses Parkdenkmals. Eine bewundernswerte Leistung, eines 440 Mitglieder starken Vereins, der einen Preis verdient."

Der Sonderpreis

Dampfer Welle
Dampfer Welle

Mit dem Sonderpreis, gestiftet von WESER-KURIER und NORDSEE-ZEITUNG, in Höhe von 2.500 Euro, wurde der Verein Dampfer Welle e.V. ausgezeichnet. Der Preisträger engagiert sich seit Jahren intensiv um ein maritimes Denkmal, das zugleich auch eine Verbindung zwischen Bremen und Bremerhaven herstellt. Der zurzeit im Bremerhavener Fischereihafen liegende Dampfer Welle ist das letzte historische Dienstwasserfahrzeug aus der Zeit der Weserkorrektur und war ab 1915 zwischen Bremen und Bremerhaven im Einsatz. Seit 1998 bemüht sich der Verein Dampfer Welle um die Wiederherstellung dieses historischen Schiffes, das seit seiner Außerdienststellung 1975 zunächst vernachlässigt wurde und dann sogar einen kompletten Untergang erlebte. "Der Verein ist unermüdlich im Einsatz, um mit vielfältiger Recherchearbeit zur ursprünglichen Gestalt des Dampfers, mit Akquise von Mitteln, aber auch mit viel eigener Arbeit, das Schiff zu restaurieren. Beispielsweise wurde von den beiden nach der Stilllegung ausgebauten Antriebsmaschinen eine originale Maschine entdeckt, erworben und wieder eingebaut. Seit fast 20 Jahren setzt sich der Verein, unter seinem Gründungsvorsitzenden Bernd Meyer, für dieses maritime Denkmal ein. Für diesen unermüdlichen Einsatz erhält der Verein Dampfer Welle den Sonderpreis der Medienpartner des Bremer Denkmalpflegepreises 2016 verbunden mit einem Geldpreis in Höhe von 2.500,00 Euro", sagte Landeskonservator Skalecki.

Vier Anerkennungen in drei Kategorien

Union-Brauerei
Union-Brauerei in Bremen-Walle

Die Kastens + Siemann Architekten erhielten eine besondere Anerkennung in der Kategorie I – Architekten – für die erfolgreiche Revitalisierung der über 10 Jahre lang leer gestandenen Union-Brauerei in Bremen-Walle. Bei der Union-Brauerei handelt es sich um ein wertvolles Gebäudeensemble einer ehemaligen Brauerei von 1907. In seiner Laudation erklärte Professor Skalecki, dass das Architekturbüro Kastens und Siemann mit zahlreichen denk-malgerechten Eingriffen und sehr geschickten Detaillösungen nicht nur die ursprüngliche Nutzung als Brauerei herbeiführte, sondern auch eine große Strahlkraft und Attraktivitätssteigerung für das gesamte Quartier entwickelte.

Fruchthof am Breitenweg 29-33
Fruchthof am Breitenweg 29-33

In der Kategorie II – Handwerksbetriebe – ging eine besondere Anerkennung an die Brock GmbH & Co. KG für die handwerklich hervorragend entwickelten Fenster für den Fruchthof. Der Fruchthof am Breitenweg, 1954 für den Neuanfang des traditionsreichen Bremer Südfrüchte Handels als Auktionshaus erbaut, ist zurückhaltend umgenutzt und sensibel saniert worden. Der originalgetreue Nachbau der historischen Stahlfenster, die den modernen Standards entsprechen, bedeutete eine große Herausforderung. Herr Rotthäuser von der Brock GmbH & Co. KG erarbeitete und erprobte ein halbes Jahr lang verschiedene Ansätze bis ein Musterfenster entstanden war. Der gelernte Fensterbauer koppelte zwei Verstärkungsprofile aus einem Fenstersortiment miteinander, integrierte die Führungsschienen in die Lisenen und setzte einen kaum erkennbaren Sonnenschutz in die Fenster ein. Für die Jury stand fest, dass es sich hier um keine standardisierte Lösung handelt. "Gerade solche Firmen, wie die Brock GmbH & Co. KG, werden zukünftig verstärkt für die Sanierung von Gebäuden aus den 1950er Jahren benötigt", sagte der Landeskonservator und fügte hinzu: "deshalb ist es wichtig, qualifizierte Firmen in diesem Bereich zu unterstützen."

Ankerbalkenscheune in der Wummensiede
Ankerbalkenscheune in der Wummensiede

In der Kategorie III – Bauherren – freute sich Frau Renate Kropp-Hildebrandt über eine besondere Anerkennung, die ihr für den Erhalt ihrer über 300 Jahre im Familienbesitz befindlichen Hofstelle im Bremer Blockland verliehen wurde. In seiner Laudation erläuterte Landeskonservator Skalecki: "Die einzigartige Kulturlandschaft im Bremer Blockland ist geprägt von der Naturlandschaft einerseits, und den historischen Hofstellen entlang des Wümmedeichs, andererseits. Diese Höfe und Bauernhäuser sind fast alle unwirtschaftlich, vielen droht der Verfall. Seit über 300 Jahren ist der Hof Wummensiede 8 im Besitz der Familie Kropp. Eine Inschrift von 1682 nennt bereits den Namen als Eigentümer. Die heutige Eigentümerin, Frau Renate Kropp-Hildebrandt, hängt mit Herzblut an ihrem Hof und stellt viele andere Bedürfnisse hinten an, um die Baulichkeiten zu erhalten und instand zu setzen. Trotz massiver Schäden am Reetdach und dem Dachstuhl der Scheune entschied Frau Kropp-Hildebrandt, diese nach altem Befund wieder herzustellen und setzte damit ein deutliches Zeichen gegen Abriss und moderne Erneuerung, um auch das Bild der Kulturlandschaft Blockland zu erhalten. Diese vorbildliche Handeln verdient eine besondere Anerkennung."

Hafenstrasse 153 in Bremerhaven
Hafenstrasse 153 in Bremerhaven

Ebenfalls in der Kategorie III – Bauherren – erhielt die Volksbank eG Bremerhaven – Cuxland eine besondere Anerkennung im Rahmen des Bremer Denkmalpflegepreises 2016. Damit wurde sie für das vorbildliche Engagement, die aufwändig dekorierte Stuckfassade des gründerzeitlichen Wohn- und Geschäftshauses von 1909 von Architekt Adolf Fischer, in der Hafenstraße 153 in Bremerhaven, in den bauzeitlichen Zustand zurückzuführen, geehrt. Professor Skalecki sagte hierzu: "Keine Sekunde wurde gezögert, immer die denkmalpflegerisch beste Lösung zu wählen. Ein renommiertes und qualifiziertes Architekturbüro sowie eine Reihe von qualifizierten Restauratoren und Handwerkern wurden beauftragt." Weiter führte der Landeskonservator aus: "Mit großem Engagement betrieb der Geschäftsführer der Volksbank, Herr Siems, das Projekt bis zu seinem erfolgreichen Ende. Eine mustergültig restaurierte Fassade verleiht nun der Hafenstraße in Bremerhaven-Lehe wieder etwas des ehemaligen Glanzes."

Die Jurymitglieder

Der Jury gehörten an: Dr. Andrea Pufke, Juryvorsitzende, Landeskonservatorin, Amt für Denkmalpflege im Rheinland; Professor Dr. Georg Skalecki, Landeskonservator, Landesamt für Denkmalpflege Bremen; Uwe A. Nullmeyer, 1. Vorsitzender der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V.; Sylvia Meyer-Baumgartner, Stellvertretende Geschäftsführerin der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven; André Fesser, Kommissarischer Lokalchef des Weser-Kurier; Oliver Platz, Mitglied des Vorstandes der Architektenkammer Bremen; Hans-Joachim Stehr, Vizepräses der Handwerkskammer Bremen; Angela Weißkopf, Referatsleiterin Planung, Bauordnung Bezirk-Mitte;

Die Verleihung des Bremer Denkmalpflegepreises 2016 in Bildern