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Straße:
Kapitän-Dallmann-Straße 58
Listentext:
Kapitän-Dallmann-Straße 58, Kahnschifferhaus, um 1747 (2025)
Baugeschichte:
1747 Einrichtung der Brinksitzerstelle, erster Brinksitzer war Hinrich Havighorst, ihm folgte 1775 Daniel Tietjen (königlicher Agent), 1784 Diedrich Stapelfeld (Schmied), 1827 Johann von Harten (1781-1830, Steuermann und Kahnschiffer), 1832 Johann Dewers (1801-1885, Kahnschiffer), 1885 Fritz Dewers (1838-1915, Kahnschiffer), später wurde Fritz Dewers Neffe Carl Schulken (1869-1950, Wollsortierer) Eigentümer.°
Vermutlich im 19. Jahrhundert nach Süden um eine Raumachse verlängert, ggf. seitlich verbreitert. Giebelständiger roter Backsteinbau unter Krüppelwalmdach, ehem. mit Reetdach, jetzt Eternit.°
Heute (2025) im Besitz einer Nachfahrin Schulkens und Ausstellungsort für eine Privatsammlung historischer Gebrauchsgegenstände und Möbel.
Kurzbeschreibung:
Die Brinksitzerstelle in der Kapitän-Dallmann-Straße 58 wurde bereits im Jahr 1747 angelegt. Es ist davon auszugehen, dass zu diesem Zeitpunkt auch das Wohnhaus dort errichtet wurde. Sein heutiges Erscheinungsbild hat das Gebäude allerdings im 19. Jahrhundert erhalten. Es gehörte zu den ersten Wohnhäusern der einst eigenständigen, landwirtschaftlich geprägten Ortschaft Flethe und stellt heute eines der letzten gut erhaltenen Exemplare dieser frühen Bebauung dar.°
Die Häuser der Brinksitzer (besitzlose Kleinbauern oder Handwerker) waren zumeist viel kleiner und bescheidener als die großen niedersächsischen Hallenhäuser, folgten aber deren Bautradition. So weist auch dieses Haus das für den Bautyp charakteristische tiefgezogene Krüppelwalmdach auf, das ursprünglich reetgedeckt war. Im 19. Jahrhundert wohnten hier nachweislich mehrere Generationen von Kahnschiffern. Das Wohnhaus kann deshalb ein Zeugnis der Wohnverhältnisse dieser Berufsgruppe gelten. Die Wohnlage in Flethe an einem einstigen kleinen Seitenarm der Weser war günstig für die Flussschiffer, weil sie dort direkt am Fleetufer mit ihren Booten anlegen konnten. Insbesondere nach der Gründung Bremerhavens kam der Kahnschifferei ein erheblicher Bedeutungsgewinn zuteil. Da die Weser im Laufe der Jahrhunderte zunehmend versandet und zu flach für die immer größer werdenden Handelsschiffe geworden war, stellten die Kähne mit ihren flachen Rümpfen bis zur Weserkorrektion im Jahr 1885 einen unverzichtbaren Teil der Bremischen Handels- und Wirtschaftsinfrastruktur dar. Die Kahnschiffer brachten es in dieser Zeit zu bescheidenem Wohlstand. Die Ausstattung, die aus dem 19. Jahrhundert im Kahnschifferhaus überkommen ist, zeugt jedenfalls von einem gehobenen Wohnstandard und dem Anspruch der Kahnschifferfamilien, sich als Teil des Bürgertums zu präsentieren.°
Heute existieren nicht mehr viele dieser Kleinbauernhäuser im Land Bremen, obwohl die Ortsbilder der Landgemeinden und später eingemeindeten ländlichen Stadtteile zu früheren Zeiten von ihnen geprägt waren. Dem hier gegenständlichen Wohngebäude kann aufgrund seines Alters und seiner Seltenheit deshalb auch ein Erinnerungswert für das heute weitgehend verlorene ländliche Blumenthal zugesprochen werden.
Epoche:
19. Jahrhundert & Barock
Art Dat.:
Errichtung (vermutlich)
Art Dat.:
Umbau (vermutlich)
Num.-Dat.:
19. Jahrhundert
Stelle:
Karton 9, Band Blumenthal, Blatt 1.22
Herkunft:
NLA ST Rep. 74 Blumenthal Nr. 1409