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II. Evangelische Volksschule & Schule an der Brinkmannstraße

OBJ-Dok-nr.: 00000214




Stadt:
Bremen
Bezirk:
Ost
Stadtteil:
Hemelingen
Ortsteil:
Hemelingen
Straße:
Brinkmannstraße 40
Bösestraße & Hemelinger Heerstraße & Rüschstraße
Denkmaltyp:
Schule & Volksschule
Eintragung:
1995
Listentext:
Brinkmannstraße 40, II. Evangelische Volksschule, 1909 von Ahlemann, Umbau, 1931 von Otto Conrad Friedrich Bräutigam (1995)°
Bösestraße°
Hemelinger Heerstraße°
Rüschstraße
Kurzbeschreibung:
Die Schule Brinkmannstraße in Bremen-Hemelingen wurde 1909 als "II. Evangelische Volksschule" errichtet, um der steigenden Schülerzahl infolge der Industrialisierung Hemelingens zu begegnen. Der Hemelinger Architekt Ahlemann entwarf das Gebäude im Stil eines modernisierten Neobarocks mit heimat- und jugendstiltypischen Elementen. Bereits 1931 erfuhr der Bau unter dem Bremer Architekten Otto Conrad Friedrich Bräutigam eine tiefgreifende Umgestaltung. Mit der Aufstockung um zwei Geschosse und dem Übergang zu einer klaren, verputzten Flachdacharchitektur wurde das Gebäude vollständig in den Geist des "Neuen Bauens" überführt. Diese Veränderung dokumentiert eindrucksvoll den Wandel des architektonischen Denkens in der Zwischenkriegszeit. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Schule beschädigt, 1945 notdürftig instandgesetzt und im September desselben Jahres wiedereröffnet. Seither blieb ihr äußeres Erscheinungsbild weitgehend unverändert.°
Der ursprüngliche Bau Ahlemanns war ein zweigeschossiger, neunteiliger Backsteinbau mit Mansardwalmdach, asymmetrisch gegliederter Fassade und barockisierenden Formen. Besonders prägnant war das nach rechts versetzte Eingangsportal mit aufwendiger Gliederung und Segmentgiebel. Der Innenraum war funktional organisiert: Turnhalle, Lehrerzimmer und Rektorwohnung im Erdgeschoss, Unterrichtsräume und Fachräume im Obergeschoss. Bräutigams Umbau von 1931 verlieh dem Gebäude ein völlig neues, modernes Erscheinungsbild. Das Mansarddach wich einem Flachdach, die Fassade erhielt einen hellen Putz, und die Fenster wurden zu horizontal betonten Bändern zusammengefasst. Der markante Uhrturm und das große Treppenhausfenster bilden vertikale Akzente. Der Umbau integrierte den Altbau konstruktiv weitgehend, sodass trotz radikaler ästhetischer Erneuerung eine wirtschaftliche Bauweise erzielt wurde. Spätere Veränderungen, wie die Schließung des Dachgartens (1949) und kleinere Anbauten, beeinträchtigten die architektonische Gesamtwirkung kaum. Im Inneren zeugen Treppenhaus und Gänge noch vom historischen Bestand. Besonders hervorzuheben ist die monumentale, sechsteilige Bremen-Ansicht des Künstlers Theodor Richard Schultz-Walbaum im Treppenhaus.°
Die Schule Brinkmannstraße besitzt hohe architektur- und kulturgeschichtliche Bedeutung. Sie ist das klarste Beispiel des "Neuen Bauens" im Bremer Schulbauwesen und ein seltenes Zeugnis dieser Stilrichtung in Bremen überhaupt. Ihr Wandel von einem heimatlich-barocken Schulbau zum modernen, sachlichen Flachdachgebäude spiegelt paradigmatisch den Übergang von traditioneller Repräsentationsarchitektur zu funktionaler, rationaler Bauauffassung wider. Bräutigams Leistung besteht in der Synthese von gestalterischer Radikalität und ökonomischer Bestandsnutzung - ein frühes Beispiel nachhaltiger Umgestaltung im Sinne architektonischer Kontinuität.°
Das Gebäude verkörpert damit nicht nur ein Stück Bremer Schulgeschichte, sondern auch den künstlerischen und gesellschaftlichen Aufbruch der frühen 1930er-Jahre. Seine Erhaltung ist aus wissenschaftlichen und ästhetischen Gründen von öffentlichem Interesse und belegt den hohen Rang, den architekturgeschichtliche Zeugnisse des "Neuen Bauens" im kollektiven kulturellen Gedächtnis einnehmen.
Epoche:
Jahrhundertwende
Stil:
Moderne 30er & Neobarock
Art Dat.:
Herstellung
  Num.-Dat.:
1909
Art Dat.:
Umbau
  Num.-Dat.:
1931
Objekt @ Künstler:
Entwurf
  Architekt/Künstler:
Ahlemann
  Funktion:
Architekt
Objekt @ Künstler:
Entwurf
  Architekt/Künstler:
Bräutigam, Otto Conrad Friedrich
  Funktion:
Architekt
  Dauer:
1931
Objekt @ Künstler:
Entwurf
  Architekt/Künstler:
Schultz-Walbaum, Theodor
  Funktion:
Bildhauer
  Kommentar:
sechsteilige Stadtansicht Bremen als Holzschnittafelmalerei im Treppenhaus
Quelle:
Bestand Schulmuseum Bremen e.V.
  Stelle:
11 Abb. + Karte + 2 hist. Abb
Quelle:
Gramatzki, Rolf: Bauen und Bildung, 2002
  Stelle:
207
Quelle:
Laube, Anna-Sophia: Bericht zur Befunduntersuchung, Januar 2025
Lit.-Kurztitel:
Heuß, Werner: Hemelingen. Damals und heute, Hemelingen 1982
  Stelle:
302-307
Lit.-Kurztitel:
Schuljubiläum an der Hemelinger Straße =°
Weser-Kurier
  Stelle:
30.06.1984
Lit.-Kurztitel:
Schwartz, Uwe: Öffentliche und private Großbauten in Bremen zwischen den Weltkriegen =°
Denkmalpflege in Bremen, Heft 10, Bremen 2013
  Stelle:
24-36