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Hitlerjugendheim Huchting

OBJ-Dok-nr.: 00002602




Stadt:
Bremen
Bezirk:
Süd
Stadtteil:
Huchting
Ortsteil:
Sodenmatt
Straße:
Obervielander Straße 80 & 82
Denkmaltyp:
Schulgebäude
Eintragung:
2025
Listentext:
Obervielander Straße 80/82, Hitlerjugendheim Huchting, 1939 von Friedrich Heuer (2025)
Baugeschichte:
1939 Errichtung°
1951 Umbau zu Mädchenwohnheim, einbau von seitlichen Dachgauben°
1962 neue Kanalisation°
1972 Umbau zu Wasch- und Umkleideräumen bzw. Gaststätte und Dienstwohnung für den Platzwart
Kurzbeschreibung:
Die beiden 1939 errichteten Backsteingebäude in Huchting dienten als Heime für die Hitlerjugend (HJ) und waren Teil eines geplanten, großen Kulturzentrums. Ihr Bau folgte aus dem 1937 ausgerufenen "Jahr der Heimbeschaffung", das alle deutschen Städte verpflichtete, HJ-Heime zu errichten. Vorausgegangen war die Einführung der Zwangsmitgliedschaft für alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren in der 1926 gegründeten HJ, um die umfassende ideologische Einflussnahme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) auf die Jugend sicherzustellen.°
Das reichsweite Bauprogramm wurde zentral vom Arbeitsausschuss für HJ-Heimbeschaffung gesteuert. Nur Entwürfe, die dessen Vorgaben entsprachen, erhielten eine Bauerlaubnis. Ziel war es, die nationalsozialistische Ideologie architektonisch sichtbar zu machen und der Jugend einen "deutschen Stil" einzuprägen. Bremen plante etwa 30 Heimneubauten, von denen lediglich zwei realisiert wurden, das erste in Huchting. Neben den zwei Heimgebäuden waren weitere Einrichtungen wie Turnhalle, Sportplatz, Schwimmbad, Schießstand, Gemeindehaus, Räume für Parteigliederungen, NS-Volkswohlfahrt-Schwesternstation mit Kindergarten und ein Sonnenwendplatz vorgesehen. Der Auftrag ging an den Architekten Friedrich Heuer (1897-1960), der bereits 1935 die Grollander Wohnsiedlung entworfen hatte.°
Am 30. April 1939 erfolgte die Grundsteinlegung für die beiden Gebäude - eines für die männliche HJ, eines für den Bund Deutscher Mädel (BDM). Schon am 18. August 1939 wurde Richtfest gefeiert, die Fertigstellung wurde vom beginnenden Krieg überschattet. Die weiteren Baupläne kamen aufgrund des Krieges nicht zur Ausführung. Nach 1945 wurden die Gebäude zunächst als Mädchenwohnheim genutzt, ab 1972 als Teil der Bezirkssportanlage Huchting.°
Das Äußere der Gebäude ist weitgehend original erhalten: Die langrechteckigen Backsteinhäuser stehen parallel und spiegelbildlich zueinander, mit je einem Erd- und Dachgeschoss. Auffällig sind die Walmdächer mit ihren besonders steilen Giebelseiten sowie die an traditionelle Bauernhäuser erinnernde Gestaltung, etwa die von Eichenbalken gerahmten Eingangstüren mit Schnitzwerk - vermutlich von dem Künstler Theodor Schulz-Walbaum (1892-1977), einem engen Freund von Friedrich Heuer. Diese gestalterischen Mittel sollten die vom Arbeitsausschuss geforderte regionaltypische Bauweise und Landschaftsverbundenheit der Gebäude betonen.°
Die HJ-Heime in Huchting sind ein bedeutendes Zeugnis nationalsozialistischer Jugendpolitik und Architektur. Sie dokumentieren die Gleichschaltung und ideologische Prägung der Jugend im "Dritten Reich" und zeigen, wie NS-Organisationen das Ortsbild und den Alltag in Huchting prägten.
Epoche:
Zwischenkrieg
Stil:
Konservativ 30er
Art Dat.:
Herstellung
  Num.-Dat.:
1939
Objekt @ Künstler:
Entwurf
  Architekt/Künstler:
Heuer, Friedrich
  Funktion:
Architekt
  Kommentar:
Mitarbeit an der Entwurfsplanung, vor Fertigstellung verstorben
Sozietät:
Bauherr
  Sozietät Name:
Gemeinde Huchting
Quelle:
Artikel in der Bremer Zeitung vom 15.12.1938, 2.5.1939, 18.8.1939, 19.8.1939
Quelle:
Nacherfassung Ricci 2015-2016
Lit.-Kurztitel:
Fetchenhauer, Andreas: Sup di full un fret di dick un holl dien Mul vun Politik! Politik und Alltag in Huchting 1918-1945, Bremen 2015 (= Kleine Schriften des Staatsarchiv Bremen, Heft 51)
  Stelle:
114-115
Lit.-Kurztitel:
Fetchenhauer, Andreas: Huchting 1860-1945. Ein photographischer Streifzug, Bremen 2000
  Stelle:
76
Lit.-Kurztitel:
Hinz, Ottmar: Grolland. Ein Dorf vom Reißbrett. Entstehung und Alltag der Bremer Vor-stadtsiedlung an der Ochtum, Bremen 1990
  Stelle:
26-31
Denkmal digital · Landesamt für Denkmalpflege