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  • Wätjens Park unter Denkmalschutz

Neue Kulturdenkmale

Seit dem 22. Oktober 2007 ist Wätjens Park zusammen mit den historischen baulichen Strukturen, aber ohne das ehemalige Vulkan-Verwaltungsgebäude, ein eingetragenes Kulturdenkmal (Ensemble).

Künstlerische sowie architektonische Gesichtspunkte rechtfertigen die Unterschutzstellung: Wätjens Park ist ein bedeutendes Werk der Gartenkunst des späten 19. Jahrhunderts mit einer prunkvollen schlossartigen Villa im Stil englischer Tudorgotik, die nach den Plänen des Bremer Architekten Heinrich Müller von 1858 bis 1864 errichtet wurde.

Darüber hinaus sprechen kultur- und heimatgeschichtliche Aspekte für die Eintragung in die Denkmalliste: Bei dem ehemaligen Landgut Wätjen handelt es sich um einen repräsentativen Landsitz einer bedeutenden Kaufmanns- und Reederfamilie. Mit der Beteilung an der Gründung der Vulkan Werft und der Bremer Wollkämmerei trug die Familie Wätjen entscheidend zur Entwicklung der Orte Vegesack und Blumenthal bei.

Begonnen hatte alles damit, dass der erfolgreiche Bremer Kaufmann und Reeder Diedrich Heinrich Wätjen (1785-1858) für seinen sommerlichen Aufenthalt 1830 aus bäuerlichem Besitz vier an der Weser auf dem Geestrücken zwischen Vegesack und Blumenthal gelegene Grundstücke erwarb. Der Vegesacker Bauunternehmer Kimm wurde mit dem Bau eines klassizistischen Landhauses beauftragt. Isaak Hermann Albert Altmann, der Schöpfer der Bremer Wallpromenaden, nahm sich der Aufgabe an, für das Landhaus eine passende landschaftliche Umgebung zu schaffen.

Christian Heinrich Wätjen (1813-1887) brachte das unter seinem Vater noch verhältnismäßig bescheidene Anwesen zur vollen gründerzeitlichen Prachtentfaltung. Das Areal des Parks wurde unter ihm sukzessive erweitert. Angelehnt an englische Parkvorbilder und unter tätiger Mithilfe seines Gärtners Dehle prägte C. H. Wätjen selbst die weitere Gestaltung des Parks. Das nicht mehr den Ansprüchen genügende ursprüngliche Wohnhaus wurde 1858-64 durch einen schlossartigen Neubau im Stil englischer Tudorgotik ersetzt. Bis 1864 war die Parkanlage im Kern weitgehend fertig gestellt.

Der Wätjensche Landsitz war nicht nur ein großartiger Park mit herrschaftlichen Wohnhäusern, sondern bildete mit integrierten Forst- und Nutzgartenflächen fast ein autarkes Wirtschaftsgebilde. Man verfügte auch über eine eigene Wasserversorgung, wovon der erhaltene kleine Wasserturm bis heute zeugt.

Der Park beeindruckt durch seine weiträumigen Wiesenflächen, Schlängelwege, Teppichbeete und seinen teils waldartigen verdichteten Baumkulissen. Diese Art des Landschaftsgartens steht in der Tradition der damals in Deutschland stilprägenden, so genannten Lenné-Meyerschen Schule.

Die Aufteilung des Anwesens unter Bremer Vulkan und BWK führte zu einer langen Periode des allmählichen Niedergangs des Parks. Der Konkurs des Bremer Vulkan eröffnete schließlich die Möglichkeit zum Beginn einer Revitalisierung des Parks. Dabei konnte eine angesichts der langen Vernachlässigung und trotz aller Verluste überraschend gut erhaltene Grundstruktur festgestellt werden. Die Stadtgemeinde Bremen erwarb das Gelände von Wätjens Park aus der Konkursmasse der Werft und aus dem Besitz der BWK mit dem Ziel der Einrichtung eines öffentlichen Parks.

Neben den Wallanlagen und dem Bürgerpark ist Wätjens Park die neunte Grünanlage in Bremen, die unter Schutz steht. Das Landesamt für Denkmalpflege ist bestrebt weitere Parkanlagen unter Denkmalschutz zu stellen.

Kontakt: Landeskonservator Prof. Dr. Georg Skalecki, Sandstraße 3, 28195 Bremen
Tel. 0421 361 2502, Fax: 0421 361 6452
office@denkmalpflege.bremen.de