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Verleihung des Bremer Denkmalpflegepreises 2010

Der Bremer Denkmalpflegepreis 2010 –
eine Herausforderung für die Jury, die aus 77 Bewerbungen fünf Preisträger sowie fünf besondere Anerkennungen ermittelte

Am 17. November 2010 wurde zum ersten Mal der Bremer Denkmalpflegepreis im Bremer Rathaus verliehen. Im Rahmen eines Festaktes zeichnete der Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Bürgermeister Jens Böhrnsen, der die Schirmherrschaft für den Denkmalpflegepreis übernommen hat, die Preisträger aus.

Schirmherr Bürgermeister Jens Böhrnsen
Schirmherr Bürgermeister Jens Böhrnsen

Insgesamt wurden fünf Preise und fünf besondere Anerkennungen in drei Kategorien vergeben, wovon ein Sonderpreis gemeinsam vom WESER-KURIER und der NORDSEE-ZEITUNG gestiftet und von den Chefredakteuren Lars Haider und Dr. Jost Lübben übergeben wurde.

Mit dem Bremer Denkmalpflegepreis, der zukünftig alle drei Jahre ausgelobt wird, werden besondere Leistungen zur Erhaltung und Pflege von Baudenkmälern in Bremen und Bremerhaven ausgezeichnet.

Vergeben wird der Preis vom Landesamt für Denkmalpflege und der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V. in Kooperation mit der Architektenkammer, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen sowie der IHK Bremerhaven gemeinsam mit den Medienpartnern WESER-KURIER und NORDSEE-ZEITUNG. Alle Preisträger und Anerkennungen sind in einer Sonderbeilage (pdf, 3.1 MB) der Medienpartner veröffentlicht.

Schirmherr  Jens Böhrnsen mit den Preisträgern
Schirmherr Jens Böhrnsen mit den Preisträgern

Der Vorsitzende der neunköpfigen Jury, Herr Professor Udo Mainzer, Landeskonservator des Rheinlandes, berichtete über die Herausforderungen für die Jury, aus 77 Bewerbungen die Besten zu ermitteln. Landeskonservator Professor Georg Skalecki stellte in seiner Laudatio die einzelnen Preisträger vor:

DIE PREISTRÄGER
DER SONDERPREIS
DIE ANERKENNUNGEN
DIE JURY
BILDERGALERIE

Speicher XI
Der von 2003 bis 2005 sanierte Speicher XI

as2 architekten schomers.schürmann erhielten den Preis in der Kategorie I – an der Bauausführung beteiligte Handwerker, Architekten, Ingenieure – für die denkmalgerechte und vorbildliche Gesamtplanung zur Sanierung und Revitalisierung von Speicher XI in der Überseestadt Bremen. In seiner Laudatio führte Skalecki an, dass die Revitalisierung des 40.000 Quadratmeter großen Hafenspeichers für alle späteren Maßnahmen in der Überseestadt vorbildhaft war. Die Architekten entwickelten nicht nur aus denkmalpflegerischer Sicht herausragende Lösungen, sondern zeigten auch kostengünstige Wege auf.

Chorausmalung in der Kirche Alt-Aumund

Der Restaurator Matthias Seefried konnte sich mit seiner vorbildlichen Wiederherstellung der historischen Wandmalerei im Chor- und Triumphbogenbereich in der Lutherischen Kirche Bremen Alt-Aumund über einen Preis freuen. Die bildhafte Darstellung der theologischen und liturgischen Heilsgeschichte unterstütze die sakrale Atmosphäre im protestantischen Kirchenraum. "Mit dem Bremer Denkmalpflegepreis 2010 in der Kategorie I wird die äußerst qualitätsvoll ausgeführte Arbeit und die methodisch sinnvolle Trennung von Punktretusche und historischer Chorausmalung gewürdigt", so der Laudator und fügte hinzu, dass auch das Engagement des Restaurators, die Kirchengemeinde für die Thematik der historischen Wandmalerei zu sensibilisieren, sehr lobenswert sei.

Wohnhaus der Fam. Wobbe

In der Kategorie II – öffentliche und private Bauherren – ging der Bremer Denkmalpflegepreis 2010 an die Familie Melanie und Matthias Wobbe. Geehrt wurden sie für ihre vorbildlichen Bemühungen zur energetischen und denkmalgerechten Sanierung ihres Wohnhauses in Bremen-Schwachhausen. In seiner Laudatio sagte Skalecki: "Familie Wobbe zeigte, dass es möglich ist, ein historisches Gebäude energetisch zu sanieren, ohne das Erscheinungsbild zu beeinträchtigen. Die Eigentümer mussten dazu nicht erst von der Denkmalpflege überzeugt werden, sondern selbst Hand anlegend, setzten sie die Maßstäbe einer gelungenen denkmalgerechten Sanierung."

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Das Alte Pumpwerk

Die Auszeichnung mit 3.000 Euro in der Kategorie III – für alle ehrenamtlich Tätigen, wie Vereine, Einrichtungen und Einzelpersonen – ging an den Verein Altes Pumpwerk e.V.
"Diese "Abwasser-Veteranen", wie sich die Vereinsmitglieder selbst nennen, sind seit 13 Jahren unermüdlich tätig, um das Pumpwerk, das 1913 errichtet wurde, zu erhalten. Dazu zählt auch die Inszenierung der bremischen Abwassergeschichte, um sie für Interessierte anschaulich darzustellen", erklärte Skalecki. Das Pumpwerk I in Findorff arbeitete bis in die 1990er Jahre. 1995 wurde es mit Nebengebäuden und vor allem mit dem Maschinenbestand unter Denkmalschutz gestellt. 1997 gründete sich aus ehemaligen Mitarbeitern der Bremer Stadtentwässerung der gemeinnützige Verein Altes Pumpwerk e.V., der heute 75 Mitglieder zählt.

Innenansicht des Sendesaales

Mit dem Sonderpreis, gestiftet von WESER-KURIER und NORDSEE-ZEITUNG, in Höhe von 2.500 Euro, wurden die Freunde des Sendesaales e.V. ausgezeichnet.
Der Verein hat mit seinem hohen und mehrjährigen Einsatz den Abriss des ehemaligen Sendesaales von Radio Bremen verhindert und hat damit gezeigt, dass sich bürgerschaftliches Engagement in der Stadt lohnen und erfolgreich sein kann. "Es handelt sich um ein Lehrstück darüber, dass eine ursprünglich vermutete Unwirtschaftlichkeit als Argument für eine Denkmalzerstörung mit konsequenter und unermüdlicher Suche nach innovativen Konzepten widerlegt werden kann. Der Verein wandte sich immer wieder an die Öffentlichkeit und an die Medien, was ihn geradezu prädestiniert, mit dem Sonderpreis der Medienpartner ausgezeichnet zu werden", befand die Jury.

Fünf Anerkennungen in zwei Kategorien
Fünf Anerkennungen wurden für drei Architekturbüros, ein Handwerksunternehmen und eine private Bauherrin im Rahmen des Bremer Denkmalpflegepreises 2010 ausgesprochen:

Speicher I

In der Kategorie I, an der Bauausführung beteiligte Handwerker, Architekten, Ingenieure – erhielten Hilmes Lamprecht Architekten BDA für die zurückhaltende, sorgsame und denkmalgerechte Revitalisierung von Speicher I in der Bremer Überseestadt eine Anerkennung. In dem 1950 als Lagerhaus errichteten Speicher I entwickelten die Architekten nach mehrjährigem Leerstand vermietbare Lofts. Bei ihren Planungen nutzten sie konsequent die historischen Vorgaben als Ausgangspunkt und übten sich bei der Ausgestaltung des Inneren in größter Zurückhaltung: Sie beließen beispielsweise die Oberflächen der Wände im Original und unbehandelt.

Stadtkirche Vegesack, Innen- und Außenansicht
Stadtkirche Vegesack

Püffel Architekten wurden für den geglückten, einfühlsamen und Raum schaffenden Umbau der Stadtkirche in Bremen-Vegesack mit einer Anerkennung bedacht. Die Jury bewertete die Arbeit der Architekten als "unkonventionelle, denkmalverträgliche und architektonisch hervorragende Idee, den Dachboden der Stadtkirche Vegesack zum Gemeinderaum auszubauen." Mit dieser Lösung konnte der historische Kirchenraum erhalten bleiben und zugleich das Angebot an Kirchenarbeit erweitert werden.

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Ehemaliges Amerkikanisches Generalkonsulat
Ehem. Amerikansiches Generalkonsulat

Für die energetisch und denkmalpflegerisch besonders gelungene Sanierung des ehemaligen Amerikanischen Generalkonsulats in Bremen wurden die Architekten + Designer, Müller, Diederichs, Keil, Gruppe GME mit einer Anerkennung in der Kategorie I gewürdigt. Das Gebäude wurde 1952 bis 1953 nach Plänen der amerikanischen Architekten Skidmore, Owings & Merrill erbaut. Die Denkmalpflege bemühe sich inzwischen verstärkt um den Erhalt wichtiger Zeugnisse der Nachkriegsarchitektur, schilderte Skalecki.

Wiederhergestellte Kupfereindeckung
Wiederhergestellte Kupfereindeckung

Ebenfalls in der Kategorie I erhielt die Johann Osmers GmbH & Co. KG eine Anerkennung für ihre herausragenden, in allen Details sehr qualitätvollen Arbeiten zur Wiederherstellung des Kupferdaches des Hauses Schütting in Bremen. Der Laudator hob hervor, dass das Unternehmen ähnlich, wie schon bei zahlreichen früheren Arbeiten an anderen herausragenden Kulturdenkmälern, durch Zuverlässigkeit und höchste Qualität in der handwerklichen Ausführung glänzte. "Für dieses riesige Meisterstück der Kupfereindeckung nach historischem Vorbild gebührt der Firma Osmers eine Anerkennung", so das Urteil der Jury.

Außenanischt der Villa Rabien
Villa Rabien

In der Kategorie II – öffentliche und private Bauherren - konnte sich die Bremerhavener Bauherrin, Frau Marika Büsing, über eine Anerkennung freuen. Seit vielen Jahren setzt sie sich für die denkmalgerechte Instandsetzung und den Erhalt der 1902 im Reformstil erbauten Villa Rabien ein. "Die Bauherrin achtet dabei selbst penibel darauf, dass das historische Erscheinungsbild bewahrt oder wiederhergestellt wird. Aufgrund der hohen finanziellen Aufwendungen konnten die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen bisher noch nicht abgeschlossen werden. Es handele sich um einen Akt prozessualer Denkmalpflege", sagte Skalecki.

Die Jurymitglieder
Der Jury gehörten an: Professor Dr. Udo Mainzer, Juryvorsitzender, Landeskonservator, Amt für Denkmalpflege im Rheinland; Professor Dr. Georg Skalecki, Landeskonservator, Landesamt für Denkmalpflege Bremen; Uwe A. Nullmeyer, 1. Vorsitzender der Aufbaugemeinschaft Bremen e.V.; Franz-Josef Höing, Senatsbaudirektor der Freien und Hansestadt Bremen; Christian Flathmann, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen; Jürgen Grube, Mitglied des Vorstandes der Architektenkammer Bremen; Sylvia Meyer-Baumgartner, Stellvertretende Geschäftsführerin der Handelskammer Bremen; Michael Stark, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven; Jürgen Hinrichs, Redakteur beim Weser-Kurier in Bremen