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Haus Blomendal & Burg Blomendal

OBJ-Dok-nr.: 00001270





Stadt:
Bremen
Bezirk:
Nord
Stadtteil:
Blumenthal
Ortsteil:
Blumenthal
Straße:
Auestraße 9 & 9A & 9B
Denkmaltyp:
Burg & Museum
Eintragung:
1973
Listentext:
Auestraße 9-9B, Haus Blomendal, 1354, Nebengebäude, 19. Jh. (1973)
Kurzbeschreibung:
Das heutige Haus Blomendal geht auf eine 1354 von den adeligen Familien von Oumünde und Steding als Sitz erzbischöflicher Ministerialen errichtete dreiflügelige Wasserburg am Zusammenfluss von Blumenthaler Aue und Beckedorfer Beke zurück. Diese jüngere, später mehrfach umgebaute und heute nur noch in Teilen - zwei Flügel in L-Stellung - erhaltene Burganlage ersetzte einen aus dem 13. Jahrhundert stammenden Vorgängerbau, der, urkundlich erwähnt, 1305 nach Auseinandersetzungen der Ritter von Aumund mit dem Bremer Rat zerstört worden war. Haus Blomendal gab dem heutigen Ort Blumenthal den Namen und begründete mit seiner Eigenschaft als Verwaltungs- und Gerichtssitz seit dem 15. Jahrhundert die Tradition des Amtes und Gerichtes Blumenthal, welch letzteres als heute bremisches Amtsgericht Blumenthal bis in die Gegenwart existiert. Haus Blomendal blieb bis zum Bau des - damals preußischen - Amtsgerichtsgebäudes 1895 Sitz des Gerichtes; es war zudem ab 1884 Sitz des preußischen Landratsamtes. Durch die Bauweise der Burgflügel und die in schmalerer Form erhaltenen Reste der umgebenden Graften teilt sich dem Besucher noch immer der ehemals wehrhafte Charakter der Anlage mit. Das Ensemble umfasst heute außerdem noch zwei eingeschossige Fachwerk-Nebengebäude des 19. Jahrhunderts, ein kleines ehemaliges Verwalterwohnhaus und ein Scheunen- und Stallgebäude mit Krüppelwalmdach, die mit den beiden Burgflügeln eine reizvolle Hofsituation bilden.
Haus Blomendal erlebte seit der Erbauung 1354 eine wechselvolle Geschichte. 1436 kamen Burg und Vogtei Blumenthal in den Besitz der Stadt Bremen; in diesem Jahr verpfändete der Bremer Rat Blumenthal an Bürgermeister Johann Frese. Später wurden Burg und Vogtei fortwährend von einem als Amtmann eingesetzten bremischen Bürgermeister verwaltet. Die bremische Herrschaft endete nach Ende des Dreißigjährigen Krieges, als die Landeshoheit über ein neu geschaffenes Herzogtum Bremen-Verden unter Einschluss des Erzstiftes Bremen und damit auch von Blumenthal an Schweden überging; doch blieben Bremen Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Nachdem im Verlauf des Nordischen Krieges 1712 für kurze Zeit der dänische König Landesherr geworden war, gelangte das Territorium 1715 an Kurhannover; bis zur Annektierung des Königreiches Hannover durch Preußen 1866 verblieb es unter hannoverscher Herrschaft. Durch die Eingemeindung Blumenthals fiel Haus Blomendal schließlich 1939 an Bremen zurück. Nach 1945 diente das Anwesen zunächst als Flüchtlingsheim. Durch den Bau der Bundesstraße 74 kam es um 1970 zu gravierenden Setzungsschäden, die zu einer umfangreichen baulichen Instandsetzung Anlass gaben. Im Verlauf dieser Arbeiten wurden drei bemalte Bohlen-Balken-Decken des 16., frühen 17. und 18. Jahrhunderts entdeckt, die unter Verkleidungen verborgen gewesen waren. Sie wurden zwischen 1969 und 1976 restauratorisch bearbeitet und bilden heute den Glanzpunkt des Hauses. Die kleinere Decke im sogenannten Hoyer-Saal weist zwei Fassungen von ca. 1500 und aus der Zeit um 1578/1580 auf, die Decke im großen Saal stammt von 1618. Beide älteren Decken zeigen Grisaille-Malereien mit Dekorationssystemen der Renaissance. Die jüngste Holzdecke entstand um die Mitte des 18. Jahrhunderts und verdeckte, ihrerseits unter Putz verborgen, die Renaissance-Decke im Hoyer-Saal. Diese Barockdecke mit einem blaugrünen Akanthusrankenwerk auf hellem Grund wurde in der Treppenhausdiele, neu arrangiert, wieder angebracht. Vor Instandsetzung von Haus Blomendal waren weder ältere wandfeste Ausstattung noch alte Türblätter vorhanden. Um eine passende Komplettierung zu erreichen, wurden Ausstattungsteile des 1896-1897 errichteten, für den Bau der B 74 1969/1970 abgerissenen ehemals Kulenkampff'schen, großbürgerlichen Landhauses "Kränholm" eingebaut.
Haus Blomendal befindet sich im Besitz der Stadt Bremen und ist an den "Verein Haus Blomendal e.V." verpachtet. Die Burg nimmt heute auch einen Kindergarten und die Sammlungsbestände des Heimatvereins Blumenthal auf. Sie dient für verschiedene gesellschaftliche und kulturelle Zwecke und kann anlässlich von Veranstaltungen und nach Vereinbarung auch im Inneren besichtigt werden.
Epoche:
Gotik & Barock u. Rokoko & Historismus
Stil:
Barock & Historismus
Art Dat.:
Herstellung
 Num.-Dat.:
1354
Lit.-Kurztitel:
Halenbeck, Lüder: Zur Geschichte der Stadt Vegesack, Blumenthal und Schönebeck, (Reprint) Bremen 1974
 Stelle:
..
Lit.-Kurztitel:
Wulff, Hinrich: Die Ritter von Aumund, Vegesack-Blumenthal 1930
 Stelle:
15-24
Lit.-Kurztitel:
Tietjen, Alfred: Blumenthal an der Weser, Bremen-Blumenthal 1952
 Stelle:
7-15
Lit.-Kurztitel:
Stein, Rudolf: Dorfkirchen und Bauernhäuser im Bremer Lande, 1967
 Stelle:
378-380
Lit.-Kurztitel:
Haus Blomendal in Bremen-Blumenthal =
Bremische Denkmalpflege 1976-1979. Ein Programm, Bremen 1975
 Stelle:
26-27
Lit.-Kurztitel:
Hoffmann, Hans-Christoph: Die Denkmalpflege in der Freien Hansestadt Bremen 1971 bis 1977 =
Bremisches Jahrbuch 56 (1978)
 Stelle:
259-261
Lit.-Kurztitel:
Hoffmann, Hans-Christoph: Die Denkmalpflege in der Freien Hansestadt Bremen 1978 bis 1979 =
Bremisches Jahrbuch 58 (1980)
 Stelle:
304-305
Lit.-Kurztitel:
Fiedler, Ulf und Bernhard Havighorst: Das alte Blumenthal in Bildern, Bremen 1982
 Stelle:
Abb. 252-259
Lit.-Kurztitel:
Architektur in Bremen und Bremerhaven, 1988
 Stelle:
Nr. 157
Lit.-Kurztitel:
Dehio Bremen/Niedersachsen 1992
 Stelle:
51
Lit.-Kurztitel:
Hoffmann: Erforschen, Pflegen, Schützen, Erhalten, 1998
 Stelle:
32-35
Lit.-Kurztitel:
Knauf, Diethelm: Blumenthal 1860-1945. Ein photographischer Streifzug, Bremen 1998
 Stelle:
32-33
Lit.-Kurztitel:
Gramatzki, Rolf: Bemalte Holzdecken in der Stadt und im ehem. Erzstift/Herzogtum Bremen =
Bremisches Jahrbuch 63 (1985)
 Stelle:
37-58, Abb. 1-5
Rechteinformation:
Copyright by Landesamt für Denkmalpflege Bremen